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Es gibt Werbung – und es gibt Werbung

Jason Romeyko über den Mut zur Idee

Es gibt Werbung – und es gibt Werbung
Foto: Joanna Pianka

Energie, Expertise und der Blick fürs Wesentliche: Jason Romeyko leitete als Vorsitzender die Fachjury mit großer Leidenschaft. Was ihm an den Einreichungen auffiel, warum der Goldene Hahn für die Branche bedeutend ist und weshalb schon die Nominierung ECHT.GOLD.WERT ist, verrät er im Gespräch.

Wer Jason Romeyko gegenübersteht, merkt schnell: Hier spricht ein echter Profi. Er nimmt sich Zeit, hört aufmerksam zu und beantwortet jede Frage mit Klarheit und einer Portion Humor. Seine internationale Erfahrung ist in jedem Satz spürbar, gleichzeitig begegnet er seinem Gegenüber auf Augenhöhe. 

Werbemonitor: Welchen Eindruck hattest du von den Arbeiten?

Jason Romeyko: Ich finde, man kann hier auf das Grafikdesign wirklich stolz sein. Darin sehe ich die größte Stärke. Es transportiert die Qualität der Produkte und zeigt sehr gut, was hier in Niederösterreich geschaffen wird.

Was ich mir wünsche, ist ein bisschen mehr Marketingmut. Nicht nur von den Agenturen, sondern auch von den Kundinnen und Kunden.

Was ist dir generell aufgefallen?

Was die Ideen betrifft, war vieles solide umgesetzt. Aber oft hat mir das Überraschungsmoment gefehlt. Hier ist für mich das größte Potenzial verborgen. Was ich mir wünsche, ist ein bisschen mehr Marketingmut. Nicht nur von den Agenturen, sondern auch von den Kundinnen und Kunden. Sie müssen den Mut haben, einen echten „Point of Difference“ zu entwickeln, etwas Eigenständiges zu sagen, anstatt die gesamte Verantwortung einfach an Grafikdesignerinnen und Grafikdesigner oder andere Kreative abzugeben.

Welche Rolle spielt Kreativität im Zeitalter knapper Budgets und vieler Kanäle?

Eine gute Idee muss nicht viel Geld kosten. Ich habe mit großen Budgets, kleinen Budgets und auch ganz ohne Budget gearbeitet. Am Ende zählt die Kreativität und wie man eine Idee umsetzt. Das macht den Unterschied und hat den größten Impact. Ich komme aus Australien, dort arbeiten wir oft mit begrenzten Budgets. Natürlich haben wir den Vorteil der englischen Sprache und werden weltweit wahrgenommen. Trotzdem suchen wir immer nach Ideen, die sofort ins Auge springen und die Menschen überraschen. Mit einer guten Idee holt man aus Medien- und Produktionsbudgets deutlich mehr heraus. Hat man sie nicht, muss man wesentlich mehr Geld investieren, damit die Botschaft überhaupt wahrgenommen wird. Deshalb wünsche ich mir mehr Mut, mehr Kreativität und die Bereitschaft, auch einmal etwas Ungewöhnliches zu wagen.

Welchen Stellenwert hat der Goldene Hahn für die Kreativbranche in Niederösterreich?

Ich finde, der Goldene Hahn ist enorm wichtig. Es gibt Werbung – und es gibt Werbung. Manche Unternehmen verfügen über hohe Budgets, andere sind Familienbetriebe, die jeden Tag hart arbeiten und bei denen jeder Euro zählt. Gerade für sie ist starke Kommunikation von entscheidender Bedeutung. Ich sehe, wie hochwertig die Produkte aus Niederösterreich sind – vom Wein bis zu vielen anderen regionalen Erzeugnissen. Besonders beeindruckt hat mich, wie schon erwähnt, die Kategorie Grafikdesign. Es transportiert diese Qualität auf einem Niveau, das internationalen Vergleichen standhält. 

Warum ist eine Nominierung ein Erfolg?

Wer gewinnen wird, wissen wir erst im September. Aber schon eine Nominierung ist etwas Besonderes. Für mich ist sie immer eine Auszeichnung und eine Ehre, weil sie zeigt, dass jemand die eigene Arbeit wahrgenommen und wertgeschätzt hat. Das ist unglaublich wertvoll. Wenn daraus am Ende tatsächlich Gold wird, dann ist das natürlich fantastisch. Aber man sollte eine Nominierung niemals unterschätzen. Sie ist Anerkennung und zugleich Motivation, beim nächsten Mal vielleicht ganz oben zu stehen.

Mein Tipp: Schauen Sie sich die Shortlist an und später die Siegerarbeiten. Analysieren Sie die Cases und überlegen Sie, was Sie für Ihre eigenen Projekte mitnehmen können. So entwickelt man sich weiter. Kritisieren ist leicht, selbst großartige Arbeit zu schaffen, ist viel schwieriger. Deshalb wünsche ich mir, dass möglichst viele den Mut haben, ihre besten Ideen einzureichen und sich der Bewertung zu stellen.